Was für ein Abend!

Viele von euch werden schon den Bericht der Allgemeinen Zeitung über den Närrischen Abend der KJN gelesen haben. Hier bieten wir euch nun die ungekürzte Fassung des Artikels, geschrieben vom aktiven KJN-Ehemaligen Bardo Rudolf!

Zu diesem besonderen Abend kamen sie von überall her in den Kettelersaal. Aus Leipzig. Aus Köln. Aus dem Ruhrgebiet. Und natürlich aus Nackenheim und Umgebung. Sie alle einte der Wunsch, noch einmal auf die Bühne zurückzukehren, auf der sie als junge Menschen so viel Spaß hatten. Die Katholische Jugend Nackenheim (KJN) feiert in diesem Jahr das 6-x-11-jährige Jubiläum ihrer Fastnachtssitzungen und lud deshalb zu einem närrischen Abend der „Legenden“ ein. Was ein voller Erfolg war. Die Besucher verließen den ausverkauften Saal voller Begeisterung.

Wer behauptet, in der Sitzungsfastnacht gebe es keinen Nachwuchs mehr, war noch nie auf einer KJN-Sitzung. Wie viele Narren-Talente dort in den vergangenen 66 Jahren auftraten, ist nicht genau bekannt. Es müssen aber über 1000 gewesen sein. Und einige davon sind auch heute noch in der „großen“ Fassenacht aktiv. Gerd Zimmermann zum Beispiel, der seit vielen Jahren souveräner Sitzungspräsident des Nackenheimer Carneval-Vereins „Entenbrüder“ ist. Sein närrisches Handwerk hat er bei der KJN gelernt. Und er präsentierte den Gästen noch einmal Höhepunkte seiner Vorträge aus vielen Jahren Jugend-Fastnacht – belohnt mit Standing Ovations wie bei so vielen Nummern an diesem Abend.

Auf noch größeren Bühnen ist Christian Heckelsmüller zu Hause. Der Musical-Komponist („Kaltes Herz“) und -Darsteller (unter anderem „Tabaluga und Lilli“ in Oberhausen“) hat seine ersten Erfahrungen ebenfalls auf der KJN-Bühne gemacht. Mit seinem Auftritt und seiner Freude bei der Rückkehr in seine Rolle als „Gewerkschafts-Zwerg“ mit Bart und roter Mütze adelte er den närrischen Abend.

Bei den KJN-Sitzungen war der Musical-Star Teil der berühmt-berüchtigten Gruppe „Chaos“, die frech und unkonventionell über Jahre für Sitzungshöhepunkte sorgten. Auch diesmal ließen es sich Christian Heckelsmüller, Christian Laue, Dietrich Marbé-Sans, Patrick Nücken und Thomas Völkner nicht nehmen, die Bühne zu „Singing in the Rain“ so unter Wasser zu setzen, dass die anschließende Ballett-Nummer wie bei der Original-Aufführung 1985 verschoben werden musste. Alexandra Böhm, Steffi Danner, Angela Reuther und Annette Schmied begeisterten dann mit Verspätung den Saal mit ihrem Tanz zu „Olé Fiesta“.

Insgesamt wurde der Abend zum erhofften Treffen der Generationen. Roland Antoni eröffnete die Sitzung mit seinem „Gärtner“-Vortrag und schenkte jeder Dame eine Blume. Heinz-Otto Grünewald kehrte nach 45 Jahren erstmals wieder auf die Kettelersaal-Bühne zurück und leistete sich als englisch-affine Amazon-Drohne (im Kostüm einer männlichen Biene) ein Wortgefecht mit den Dialekt-Vertretern Dagmar und Hans-Peter Reifenberger. Ex-Bürgermeister Bardo Kraus erinnerte mit einem von ihm gefundenen Vortrag aus der Nachkriegszeit an das Sitzungs-Gründerjahr 1948. Gregor Sans nannte 16 Gründe, an denen man schon 1976 erkannte, wann Fassenacht ist. Michael Lang schlüpfte noch einmal ins Messdiener-Gewand. Hanne Windgätter machte allen Gästen als Meerrettich-Frau Appetit. Birgitt Ott trat als närrischer Fridolin auf. Hermann-Josef Sans erzählte noch einmal, wie er 1972 anlässlich der 1200-Jahr-Feier der Gemeinde aus Nackenheim eine Kurstadt machen wollte. Und Ubald Sans berichtete von seinem Leben als Pechvogel. Glück hatte er erst, als er von einer acht Meter hohen Leiter fiel – weil er dabei auf der untersten Stufe stand.

Die vergessene Tradition der Steifen Riege ließen Alfred Feist, Wolfgang Petry, Manfred Rosenmeyer und Albert Sans noch einmal aufleben. Dabei überzeugten sie so, dass das „Ü50“ bei der Ankündigung eigentlich überflüssig war.

Welche Spuren manche ehemaligen Aktiven hinterlassen haben, zeigte sich, als das Publikum einige seit Jahrzehnten nicht mehr aufgeführten Hits von Anfang an lautstark mitsang. Beim „Finger hoch, Finger hoch, jetzt wird’s demokratisch, ännern tut sich eh net viel. Des iss uns sympathisch“ der Gruppenstunde „Die Kleinen Strolche“ aus der legendären Parodie auf eine Pfarrgemeinderats-Sitzung bekamen Alexandra Böhm, Daniela Brinkmann, Steffi Danner, Isabelle Heckelsmüller, Renate Lang, Andrea Mayer und Claudia Wetzel viel Unterstützung aus dem Publikum. Als Christian Heckelsmüller während der Chaos-Nummer sein „Hecki der Zwerg“ intonierte oder Thomas Völkner das „Drachen-Lied“ sang, war der Saal ebenso schnell dabei wie beim „Pilscherlied“ von Michael Lang und Bardo Rudolf. Auch die Lieder der Schlussnummer von Dietrich Schroff, Dominik von Schönebeck, Bardo Rudolf und Markus Gabel (mit seinem Frauenkreis-Hit „Trinke Kaffee mit mir“) brachten den Saal zum Toben – inklusive der Zugaben „Eisebahn will ich fahr’n“ und „Helau, heut‘ is Fassenacht“, die noch immer auf der KJN-Sitzung gesungen werden.

Dies beeindruckte auch die aktuelle Jugend. Jonas Becker, der den Abend mit Christine Hassemer und Allegra Reifenberger moderierte, sagte: „Hoffentlich gibt es in elf Jahren wieder einen solchen närrischen Abend. Ich möchte dann auch auftreten und es auch erleben, dass alle dann noch unsere Lieder mitsingen.“

Es war ein grandioser Abend, mit Nummern auf so hohem Niveau, dass sie sich vor den großen Mainzer Bühnen nicht verstecken müssen. Und es gab keinen, der den Kettelersaal nicht euphorisiert verlassen hätte. Dieser närrische Abend wurde zu einem Stück Ortsgeschichte.

Das Schlusswort gebührt aber Christian Heckelsmüller: „Wir bedanken uns für die unglaublich große Spielwiese, die wir hatten.“ Und mit dem neuen „Chaos“-Abschluss-Song „Mensch was war’s so schön, noch mal hier zu stehen“, sprach er allen aus dem Herzen.

 

Sie waren dabei:

Roland Antoni, Gerd Zimmermann, Birgitt Ott, Die Kleinen Strolche (Alexandra Böhm, Daniela Brinkmann, Steffi Danner, Isabelle Heckelsmüller, Renate Lang, Andrea Mayer, Claudia Wetzel), Hermann-Josef Sans, Bardo Kraus, „Ü50-Steife-Riege“ (Alfred Feist, Wolfgang Petry, Manfred Rosenmeyer, Albert Sans), Hanne Windgätter, Dagmar & Hans-Peter Reifenberger mit Heinz-Otto Grünewald, Gregor Sans, „Das Chaos“ (Christian Heckelsmüller, Christian Laue, Dietrich Marbé-Sans, Patrick Nücken, Thomas Völkner), Michael Lang, Bardo Rudolf, KJN-Ballett (Alexandra Böhm, Steffi Danner, Angela Reuther, Annette Schmied), Ubald Sans, „Schlussnummer 1998“ (Markus Gabel, Bardo Rudolf, Dietrich, Schroff, Dominik von Schönebeck).

Aaron Lang (musikalische Begleitung), Jonas Becker, Christine Hassemer und Allegra Reifenberger (alle Moderation).