Pfingstspiel spannend wie selten – KJN glücklicher Sieger

Pfingstmontag 2016, 15:30 Uhr. In Mainz feierte Kardinal Lehmann gerade Geburtstag und seine Verabschiedung in den Ruhestand, als sich in Nackenheim alle Augen auf das traditionsreiche Fußballspiel „KJN gegen Ministranten St. Gereon“ richteten. Nach vier siegreichen Jahren in Folge ging die KJN als Favorit ins Rennen um Pfingst-Pokal und Pfingst-Prestige.
Schon vor dem Anpfiff zeichnete sich jedoch ab, dass es ein anderes Aufeinandertreffen werden würde als in den Jahren zuvor. Zum einen musste, der geringen Zahl an Messdienern geschuldet, zehn gegen zehn gespielt und das Feld verkleinert werden. Zum anderen standen sich viele Spieler gegenüber, die im Laufe des letzten Jahres bei verschiedenen Fußballturnieren gemeinsam für die KJN aufgelaufen waren. So striffen sich mit den Lang-Brüdern Aaron und Jonas, Michel Altherr und Jakob Reifenberger gleich vier KJN-Spieler und Ex-Minis das weiße Trikot über und erwiesen ihrem alten Team an diesem Pfingstmontag noch einmal die Ehre.
Zu den Klängen von „Let the Sunshine in“ betraten beide Teams ohne den geringsten Anflug ironischer Überheblichkeit das heilige Grün des Nackenheimer Sportplatzes. Als Schiedsrichter M. Taheri (Iran) die beiden Kapitäne Becker (KJN) und Bertram (Messdiener) zur Seitenwahl lud, hatten sich auch die Kommentatoren der Partie auf ihren Plätzen eingefunden: Dr. h. c. Alexander Deick und Monsignore Jan Florenkowski, bekannt von der Fastnachtsbühne der KJN, analysierten von da an rasiermesserscharf und zugleich ohne Rücksicht auf Pietät und Fachwissen das Geschehen auf dem Platz.

Wenig überraschend stand bei den Messdienern Jakob Reifenberger im Tor statt etwa im Sturmzentrum. Eine Knieverletzung ließe keinen Einsatz über 90 Minuten zu, wie die Verantwortlichen vom Kirchberg mitteilten. Im Kasten erwies sich der 24-Jährige als ebenso souverän wie sein Gegenüber Jan Kappenstein. Allerdings musste Reifenberger bereits nach acht Minuten einem Fernschuss hinterherschauen, der jedoch vom Pfosten abprallte. Keine fünf Minuten später war es dann Youngster Julius Dittrich, der den Ball tatsächlich in den Maschen der Messdiener versenkte. Für großen Jubel sorgte dabei vor allem die Vorbereitung des Tores durch Innenverteidiger Jonas „Jungy“ Jung. Dieser tanzte sich, wie einst der Brasilianer Lucio, durch die Reihen der Messdiener und passte im richtigen Moment steil zu Dittrich, der den Sololauf Jungs krönte. Als Dauerbrenner Jan Büchold kurze Zeit später auf 2:0 erhöhte, schien die Beere für die zahlreich angereisten Fans bereits geschält. Die stabile Defensive sowie das eingespielte Mittelfeld taten auf Seiten der Blauen ihr Übriges, dass das Team einem ungefährdeten Sieg entgegensah. Lediglich die auf beiden Seiten hart geführten Zweikämpfe trübten die Stimmung, sodass Defensiv-Routinier Altherr die eigenen Mannen zurechtwies: „Jungs, das muss doch nicht sein!“, ermahnte er die Spieler mit gewissem Erfolg, was jedoch nicht verhindern konnte, dass KJN-Abwehrchef Florian Deick wegen eines kieferorthopädischen Notfalls zur Pause ausgewechselt werden musste.
Die taktischen Umstellungen, die der Ausfall zu Folge hatte, schränkten den Offensivdrang der KJN immens ein. Die Messdiener bestimmten das Spielgeschehen nun über nahezu die gesamte Länge der zweite Hälfte. Die ersten 20 Minuten des zweiten Durchgangs jedoch prallten die Angriffe der Minis an der neu formierten Abwehr der Blauen ab wie liberales Gedankengut an der römischen Kurie. Erst als Reifenberger vom Tor in den Sturm wechselte, konnte die KJN-Abwehr in ernste Schwierigkeiten gebracht werden. Nach Foul an ebenjenem führte sodann ein miserabel verteidigter Freistoß zum 2:1 Anschlusstreffer für die Weißen. Jonas Lang war der Torschütze, der auch das wohlverdiente 2:2 markierte. Das Spiel schien gedreht, die Equipe der KJN war sichtlich bemüht, das Unentschieden zu halten und nicht noch eine Niederlage zu kassieren. Doch abermals war es eine Verletzung, die das Spielgeschehen beeinflussen sollte. Messdiener Aaron „Lang-Lang“ Lang ging ohne Fremdeinwirkung zu Boden und musste sich, zehn Minuten vor Schluss, einer Wadenverletzung geschlagen geben. Die nun entstandene Lücke im Mittelfeld der Minis konnte die KJN zu ihren Gunsten nutzen. Einen langen Einwurf von Becker legte Büchold für den an der 16er-Kante lauernden Dittrich ab, der aus der Distanz erfolgreich zum 3:2 abschloss. Den Schlusspunkt setzte dann ein unglückliches Eigentor der Ministranten kurz vor Ende der Partie – das Spiel ward entschieden, 4:2 der Endstand.
„So dicht an einem Sieg waren die Minis schon lange nicht mehr“, war die gängige Meinung nach dem Abpfiff. Der KJN wurden eine Halbzeit lang ihre Grenzen aufgezeigt. Nach einer zurückhaltend gefeierten Siegerehrung freute man sich auf den bevorstehenden gemeinsamen Abend.
Beim harmonischen Grillen am Jugendheim herrschte schnell bei allen die Freude über die gute Gemeinschaft vor und man verlebte eine schöne Zeit bei leckerem Essen und Trinken.

Vielen Dank an unseren Schiedsrichter Majid, Herrn Grub für die Schlüsselübergabe, die Kommentatoren, die Damen, die den Grill angeheizt haben, und natürlich an alle Spielerinnen und Spieler.
KJN und Minis wissen nicht, wie es um die Zukunft des altehrwürdigen Pfingstturnier bestellt ist, da die Zahl der Messdiener stark zurück gegangen ist und auch weiterhin geht. Hoffen wir, dass 2016 nicht als das letzte Jahr des Spiels in Erinnerung bleiben wird, und nicht nur deshalb auch, dass das Messdieneramt erhalten bleibt und wieder größeren Zulauf findet.