Begeisternde KJN-Sitzung im Kettelersaal

„In Gottes Namen – allzeit gute Fahrt!“

So grüßen traditionell die Schiffer – und in diesem Jahr auch die Narren der KJN, die sich zur Fastnacht auf „Rheinkreuzfahrt“ gemacht haben. Sitzungspräsident Jonas Becker führte mit Spitzbubencharme und Mutterwitz durch das Programm, das einen bunten Blumenstrauß karnevalistischer Kleinodien bereithielt: Sechs Stunden Nackenheimer Fastnacht, komplett selbst geschrieben, geprobt und auf die Bühne gebracht von den mehr als 100 Aktiven.

„Die Fastnacht geht dem Ende zu!“

Die Themen, derer sich die jungen Narren annahmen, waren vielfältig. Lokale Bezüge, Politisches und rheinhessischer Kokolores verbanden sich mit viel Selbstironie zu einer erfrischenden Mischung. Das Motto „Rhein“ zog sich ebenso durch die Sitzung wie das Motiv der Fastnacht selbst. In mehreren Nummern nahmen die Aktiven das Treiben auf den Mainzer Bühnen und ihre eigene Sitzung aufs Korn. „Ich habe wohl jede Lebenssituation von Bardo Kraus schon einmal auf der Bühne dargestellt“, blickte Allegra Reifenberger augenzwinkernd auf ihre vergangenen Rollen bei der KJN-Fastnacht zurück.

„Die Fastnacht geht dem Ende zu!“, das verkündeten auch die Jungs rund um KJN-Urgestein Dominik Bastian, die ein Casting auf die Bühne brachten, das die Zukunft der Narretei sichern sollte. Und wenn dort eine alte rheinhessische Dame in einer Burka vor das Publikum tritt, die von der Unvereinbarkeit von Vollverschleierung und Raucherpause berichtet, dann zeigt die Volkskunst Fassenacht, was sie kann: Die allzu ernsten Debatten unserer Gesellschaft herunterbrechen und humoristisch entlarven. Und nebenbei: Wer hätte gedacht, dass in den gut katholischen Mauern des Kettelersaales einmal Burka getragen werden würde?

„Suu Wöörner geh ik göörner!“

Beim Motto „Rhein“ durfte eins nicht fehlen: Die Traditionswallfahrt nach Marienthal nahm nicht in aller Herrgottsfrühe am Bootsanleger, sondern auf der KJN-Bühne ihren Anfang. Mit einigem Mut zum Absurden nahmen die Protagonisten die Eigenheiten nicht nur des Katholizismus, sondern auch des Nackenheimer Pfarrers in den Blick. Der durch jahrelangen Dienst am Altar bestens geschulte Obermessdiener Frédéric Bertram bewies einmal mehr, dass er zu den besten Reinhold-Ricker-Parodisten Westdeutschlands zählt.

Neben Ricker gab sich auch der bestfrisierte Präsident, den Gott je geschaffen hat, bei der KJN die Ehre. Viele versuchten in dieser Kampagne, Trump zu sein – er ist es einfach: Aaron Best war als US-Präsident auf Heimatbesuch in Nackenheim und fand nur lobende Worte, auch für die hiesigen Bäckereien: „Suu Wöörner geh ik göörner!“ Für seine Trump-Nummer verleiht die Redaktion ihm und seinen Personenschützern an dieser Stelle den k-j-n.de-Jokus.

Doch auch richtige Politiker bekamen die Leviten gelesen. Ortsbürgermeisterin Margit Grub hatte den Narren mit ihren zweifelhaften Praktiken bei der Anmietung der Carl-Zuckmayer-Halle eine Steilvorlage geliefert, die besonders in Jonas Beckers närrischem Protokoll verwandelt wurde. Er huldigte der politisch-literarischen Fastnacht, indem er ortspolitische Themen, veredelt durch Reim und Witz, zur Sprache brachte, ohne auf Gesinnungsapplaus zu zielen.

Turnvater Jahn wäre stolz

Auch Akrobatik hatte die Sitzung zu bieten. Die Jungs des KJN-Männerballetts knüpften bei ihrer urkomischen Pilotennummer mit waghalsigen Flugeinlagen und einer Körperbeherrschung, die selbst Turnvater Jahn selig gemacht hätte, an die Tradition der Steifen Riegen an. Nicht nur den Trainerinnen Bettina Jakob und Christine Hassemer stockte bisweilen der Atem.

Dass der KJN-Narren-Nachwuchs nicht rar ist, zeigten die zahlreichen Gruppenstunden, die mit einigem schauspielerischen Talent und teils in breitestem Naggenummer Platt die närrische Rostra bespielten. Der Eifer und die Spielfreude der jüngsten Generationen machen zumindest allen KJN-Aktiven Lust auf die kommenden Jahre Fassenacht im Kettelersaal. So bleibt dem Narrenschiff der Katholischen Jugend nur eins zu wünschen: In Gottes Namen – allzeit gute Fahrt!